

Der Sommer hat bereits seit mehreren Wochen Einzug gehalten, und jeder von uns versucht nun auf seine Weise, sich abzukühlen. Für die Märkte kann dies aber schwierig werden. Denn wenn die Anleger in den Urlaub fahren, verabschiedet sich oft auch die Liquidität und die Märkte werden anfälliger. Diese Anfälligkeit ist umso bedeutender, weil risikoreiche Anlagen zu Beginn dieser Sommersaison auf eine mehrjährige solide Wertentwicklung verweisen können. Das Momentum hat die Gewinner belohnt, die Portfolien wurden konzentrierter und ein Teil des Marktes besitzt nun nur noch eine geringe Sicherheitsmarge. Auch mangelt es nicht an potenziellen Störfaktoren.
Kevin Warsh wünscht sich eine flexiblere und weniger vorhersehbare US-Notenbank FED. Die Zwischenwahlen könnten Donald Trumps Agenda erschweren. In China bleibt der Private Konsum schwach und die Jugendarbeitslosigkeit steigt wieder an. In Japan ist der Yen vor dem Hintergrund erhöhter Volatilität an den Devisen- und Zinsmärkten dem Risiko einer Abwicklung des Carry-Trades1 ausgesetzt. Hinzu kommen hohe Verschuldungen, die wiederaufgeflammten Spannungen rund um die Straße von Hormus und zahlreiche Emissionen, die immer mehr Liquidität binden.
Wie sollte man also seine Portfolios vorbereiten, um entspannt den Sommer zu genießen?
Eine erste Möglichkeit besteht darin, eine Kreditabsicherung abzuschließen. Ähnlich wie bei einer Versicherung zahlt der Käufer eine Prämie und genießt Versicherungsschutz, falls sich die Risikoprämien erhöhen oder ein Kreditereignis eintritt. Zur Veranschaulichung: Mit dem iTraxx Crossover lässt sich ein liquider Korb aus europäischen hochrentierlichen Unternehmen abdecken. Während Credit-Spreads angesichts der aktuell relativ entspannten Märkte nur ein geringes Einengungspotenzial besitzen, scheint dieser Ansatz eine interessante Konvexität zu bieten: Die Kosten sind im Voraus bekannt, doch der Gewinn kann im Falle von steigenden Spannungen am Markt beträchtlich sein.
Ein zweiter Ansatz besteht darin, Gold wieder einen Platz einzuräumen. Nach einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Höchststand und einer inzwischen wieder entspannteren Positionierung der Anleger scheint der Einstiegspunkt attraktiver geworden zu sein. Zudem könnte Gold von einem Rückgang der aggressivsten Erwartungen hinsichtlich der FED profitieren.
Einen weiteren Ansatzpunkt bieten defensive Währungen. Der Schweizer Franken ist unserer Ansicht nach langfristig weiterhin teuer, aber günstiger als noch vor sechs Monaten – tatsächlich hat er an Wert verloren und seine Rolle als sicherer Hafen bei den jüngsten geopolitischen Turbulenzen nicht voll und ganz erfüllt. Gerade diese ausbleibende Reaktion kann eine Chance darstellen: Im Gegensatz zu einer bereits sehr gefragten Absicherung berücksichtigt der Kurs des Franken nicht unbedingt ein Panikszenario.
Auch durch den Kauf von Aktienmarkt-Optionenkann man weiterhin investiert bleiben und gleichzeitig eine Absicherungsschwelle festlegen. Der Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt, während die Absicherung umso wirksamer wird, je heftiger der Rückgang ausfällt. Absicherungen sind besonders nützlich in teuren, konzentrierten Märkten, die durch eine geringe Korrelation zwischen den Wertpapieren gekennzeichnet sind.
Bei Gold handelt es sich um entgangenen Ertrag, da es keine Erträge abwirft, während Bargeld etwa 2,5 % Rendite bringt. Für einen in Euro investierenden Anleger, der Schweizer Franken kauft, entsprechen die Kosten im Wesentlichen der Zinsdifferenz, d. h. einem negativen Carry von 2,25 %2 (in der Grafik rot dargestellt). Beim iTraxx Crossover liefert sein Spread einen Anhaltspunkt für die jährlichen Kosten der Absicherung: Bei 245 Basispunkten belaufen sich diese auf etwa 2,45 % pro Jahr (in der Grafik grün dargestellt).
Sich abzusichern ist relativ einfach. Es auch kostengünstig umzusetzen, ist dagegen weitaus schwieriger.
Daher sind Instrumente wie beispielsweise der US-Dollar (in der Grafik gelb dargestellt) interessant, die Schutz bieten und gleichzeitig eine positive Rendite liefern. Unserer Ansicht nach sind traditionelle Staatsanleihen bei einem deflationären Nachfrageschock nach wie vor wirksam, bei einem inflationären Angebotsschock – wie beispielsweise der Sperrung der Straße von Hormus – jedoch weitaus weniger. Außerdem schränken steigende Defizite und die zunehmende Staatsverschuldung ihr Aufwärtspotenzial im Falle einer Konjunkturabkühlung ein. Barmittel sichern den Nennwert ab, aber nicht die Kaufkraft. Und auch wenn der Dollar weiterhin als Fluchtwährung gilt, ist er doch den politischen Kurswechseln in den USA ausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund legen wir den Schwerpunkt auf Realzinsen, insbesondere über inflationsgebundene Anleihen. Unserer Ansicht nach bieten sie eine positive Realrendite, schützen damit die Kaufkraft und tragen dazu bei, die Risiken einer Konjunkturabkühlung und einer anhaltenden Inflation besser auszugleichen.
Auch Long-Positionen im Yen sind für uns interessant. Die Währung leidet weiterhin unter einem negativen Carry, auch wenn sich dieser in den letzten Jahren teilweise verringert hat, wie die violette Kurve zeigt; ihre Schwäche hat jedoch den Aufbau von Carry-Trade-Positionen begünstigt. Ein Renditeanstieg, eine Intervention der japanischen Behörden oder ein Schock bei risikoreichen Anlagen könnte zu deren Abverkauf und damit zu einer starken Aufwertung des Yen führen. Wir ergänzen diese Instrumente aus taktischen Gründen durch kostspieligere Absicherungen wie insbesondere CDS auf Credit-Indizes und Optionen auf Aktienindizes.
Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Portfolios eine turbulente Phase überstehen können. Eine gute Absicherung beseitigt das Risiko nicht. Sie verhindert aber, dass aus einem vorübergehenden Rückschlag ein dauerhafter Verlust wird. Vor allem ermöglicht sie es, angelegt zu bleiben, Handlungsspielraum zu bewahren und nicht zum Verkauf gezwungen zu sein, wenn die Liquidität versiegt.
1Positionen, die durch Kredite in Yen finanziert werden, um in renditestärkere Anlagen zu investieren.
2mit einem Einlagensatz in der Eurozone von 2,25 % und einem Schweizer Zinssatz nahe Null.